Die Farbe des Todes ist Schwarz

 

 

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Badische Zeitung, Freiburg, 11.10.2005

Zwei Krimis, zwei Welten

... Alexander Kilian, Professor am Institut für Molekulargenetik der Freiburger Universität, kann auf jede weitere Leiche verzichten. Nachdem im Stadtgarten ein Mann an seiner Stelle ermordet wurde, ein Mitarbeiter seines Instituts plötzlich an der Pest stirbt, muss er sein genialisch unordentliches Forscherleben disziplinieren – was ihm so gar nicht passt. Ganz in der Tradition Bertolt Brechts, dem der Kriminalroman eines der wichtigsten Erkenntnismittel war, hat sich die 56-Jährige Villinger Kinderärztin Renate Klöppel mit Kilian in ihrem neuen Wissenschaftskrimi „Die Farbe des Todes ist Schwarz” eine liebenswerte Figur geschaffen, die durch ihre Tätigkeit eine Verknüpfung mit den terroristischen Zielen der japanischen Endzeit-Sekte AUM ermöglicht, die tatsächlich einst den Untergang der Welt herbeiführen wollte: Ihr Anführer und ”Visionist” Shoko Asahara wurde in diesem Jahr zum Tode verurteilt, weil seine Anhänger 1995 das Gift Sarin in der U-Bahn von Tokio freiließen. Dabei wurden 12 Menschen getötet und 5500 verletzt. Seine Sarinvorräte reichten, um insgesamt vier Millionen Menschen töten zu können. Die Nähe zur realen terroristischen Bedrohung der Menschheit und Klöppels Schilderung, wie relativ leicht biochemische Kampfstoffe hergestellt werden können, machen ihren Roman zu einem be- ängstigenden Leseerlebnis rund um die Genforschung, deren Gefahren noch immer unterschätzt werden. „In einem Kriminalroman habe ich die Möglichkeit, ganz anders über solche Zusammenhänge zu sprechen als in meinen Fachbüchern”, sagt die Autorin zu Recht. Denn sie schafft es, das Genre schriftstellerisch hervorragend zu nutzen, um die Bedrohungen der modernen Zeit auf der Höhe der Wissenschaft zu transportieren. Klöppel, die auch Mitglied bei den Internationalen Ärzten für die Verhütung des Atomkriegs (IPPNW) ist und sich seit 1999 der belletristischen Schriftstellerei widmet, hat schon ihren ersten Roman, ”Der Mäusemörder” (2001), im Freiburger Universitätsmilieu angesiedelt. Dass sie literarisch noch mehr beherrscht als das Krimigenre, bewies Klöppel im Übrigen mit ihrem Roman über die revolutionäre Linke im Deutschland der 70er-Jahre, ”Der Pass” (Rotbuch Verlag). Und auch die Lebensgeschichte einer schizophrenen Malerin „Die Schattenseite des Mondes“ (Rowohlt 2004) zeigt sie als genaue Beobachterin der Menschen.

Mechthild Blum