|
Die Tote vom Turm
 Ein
Wiedersehen mit den Überlebenden des "Mäusemörders"
Copyright © KayserWebDesign
|
|
|
|
Rezension:
"Die Tote vom Turm" heißt Ingrid Kilian. Neben dem Turm der Zähringer
Burg im Großraum Freiburg wird ihre Leiche gefunden, identifiziert von
ihrem sozusagen beinahe Exmann Alexander Kilian, einem wohl angesehenen
Universitätsprofessor, dessen Bekanntschaft der Leser bereits in Renate
Klöppels Roman "Der Mäusemörder" machen konnte.
Ein bisschen weltfremd, zerfahren und unbedacht kommt er zu Beginn des
Buches daher, dieser weltbekannte und renommierte Wissenschaftler, der
nach dem angeblichen Selbstmord seiner zukünftigen Exfrau ein wenig aus
der Bahn geworfen wird und sentimentalerweise unüberlegte Handlungen
begeht, die ihn rasch als potentiellen Täter für die Polizei ausweisen.
Denn nachdem zwar auf dem ersten Blick ein Freitod vermutet werden konnte,
so wird bei näherem Betrachten schnell klar, dass zu viele Tatsachen und
Umstände die These eines Selbstmordes nicht unbedingt stützen.
Alleine die Tatsache, dass der Turm abgeschlossen war, der Turmschlüssel
in Kilians Jackentasche gefunden wird, weckt bei der Polizei beträchtliche
und berechtigte Zweifel und so nützt es rein gar nichts, dass
wahrscheinlich insbesondere die weiblichen Leserinnen dem Ermittlungsduo
Hans Burger und Martina Jahnke am liebsten lauthals schreiend Kilians
Unschuld beteuern möchten.
Eins kommt zum anderen und die Verdachtsmomente häufen sich rasch, eine
Vielzahl an Indizien führen zur Verhaftung des Professors.
Unter strengen Auflagen darf Alexander Kilian zwar weiterhin auf freiem Fuß
bleiben, aber sein soziales Gefüge gerät ins Schwimmen und so wächst
die Anspannung beim Tatverdächtigen wie auch gleichermaßen beim Leser,
der sichtlich nervös mitverfolgt, wie der Professor die polizeilichen
Bedingungen missachtet und versucht auf den Spuren seiner toten Frau zu
wandeln.
Spätestens zu diesem Zeitpunkt ist der Leser nicht mehr gewillt, das Buch
aus der Hand zu geben.
Die klar umrissenen, brillant herausgearbeiteten unterschiedlichen
Charaktere, insbesondere die Figur des Tatverdächtigen, die mit jeder
Seite wachsende Spannung und nicht zuletzt die scheinbar ausweglose Lage
des unbescholtenen "Helden" machen es schier unmöglich, die
Lektüre zu unterbrechen.
Kenner von "Der Mäusemörder" atmen erleichtert auf, als Geßler,
Kilians alter Freund und Kripobeamter, endlich aus seinem Urlaub zurückkehrt,
den Kollegen Bahn brechende Hinweise zuspielt und so seinem arg in
Schwierigkeiten steckenden Freund zur Hilfe eilt.
Der Morast aus Spielschulden und illegalem Medikamentenhandel, in dem
Ingrid Kilian zu stecken schien liefert dem Krimileser nicht nur explosive
und interessante Leseminuten, sondern führt letztlich auch zu dem
traurigen Leben, das die Tote am Ende geführt zu haben scheint und zur
Auflösung.
Kurz vor Schluss flammt ein erneutes Bangen um die Hauptfigur, seine
Lebensgefährtin Ina und die gemeinsame kleine Tochter Corinna auf, als
Naturgewalten das, was zu einem glücklichen Ende zu kommen scheint, noch
einmal gefährden und deutlich machen, wie schnell ein Leben vorbei sein
kann.
Renate Klöppel entlässt ihre Leser mit einem logischen Ende ohne die
Welt zu heil ausschauen zu lassen.
Spannender, interessanter, farbiger können - zumindest deutsche - Krimis
kaum sein, wobei zu berücksichtigen ist, dass man sinnvoller Weise Klöppels
Roman "Der Mäusemörder" noch vor „Die Tote vom Turm“
gelesen haben sollte, entgehen dem Leser doch sonst die wirklich wahren
spannenden Augenblicke.
Was bleibt ist die Hoffnung, dass Alexander Kilians Leben auch weiterhin
in aufregenden Bahnen verläuft, die Renate Klöppel dem werten Leser
hoffentlich nicht vorenthalten wird.
www.Krimi-forum.de
14.4.2003
|
|